Bremen im Wandel

Die Transition Town Initiative in Bremen

Was

Was ist Transition?

Transition meint den Wandel von einer ölabhängigen Wachstumsgesellschaft, zu einer zukunftsfähigen und am Menschen orientierten Lebensweise.

Die Transition-Town Bewegung, 2006 in England gegründet, will den Übergang in eine nachhaltige Wirtschaft und Kultur angehen. Das Besondere der Transition-Town-Bewegung ist die Ermächtigung zu kreativem Mitgestalten und zu Bürgerbeteiligung, um gemeinschaftliche Antworten zu finden auf die Herausforderungen von Klimawandel, Überschreiten des Ölfördermaximums (Peak Oil), Wirtschaftskrise und weitere Fragen unserer Zeit.

Konkret heißt dies auch, vom Nebeneinander der unterschiedlichsten Ansätze hin zu einem Miteinander.

Konkrete Schritte sind z.B. die Stärkung der regionalen und lokalen Wirtschaft und Nahrungsmittelversorgung, von Regionalwährungen und reflektiertem Konsum. Dabei steht die Entwicklung von Widerstandsfähigkeit (Resilienz ) im Vordergrund, die als Leitgedanke in der Transition-Arbeit zur Entwicklung von Projekten und zukunftsfähigen Lebensweisen führt. Nicht nur die eigene Lebensqualität zu erhöhen ist Ziel, sondern auch der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen im Hinblick darauf, was wir den kommenden Generationen hinterlassen wollen.

Die Transition-Bewegung arbeitet nicht nur auf der lokalen und regionalen Ebene, sondern auch weltweit vernetzt auf internationaler Ebene. Sie ist damit Teil der global sich entwickelnden Zivilgesellschaft, der dritten gestaltenden Kraft neben Wirtschaft und Staat. Sie strebt dazu den Dialog mit relevanten Institutionen und Organisationen im Bereich von Wirtschaft und Politik an. Ihr Ziel ist dabei, den Umbau der Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung voranzutreiben. Der Transition-Ansatz ist auch geprägt von der Entwicklung von Kulturkraft, die sich in der Initiierung von vielfältigen Projekten ausdrückt, in denen ökologische Aspekte mit sozialen und kulturellen Werten verbunden werden. Das Energiewende-Handbuch von Rob Hopkins, dem Mitbegründer der TransitionTown-Bewegung bietet dazu vielfältige Informationen und Hintergründe.

Zur Einführung ein kurzes Video Was ist Transition? (OmdU)
http://vimeo.com/18703752#

Auf Deutsch ein reiner Audiobeitrag (Interview mit Gerd Wessling bei DRadio Wissen):
http://wissen.dradio.de/postfossil-leben.39.de.html?dram:article_id=13777&dram:audio_id=74643&dram:play=1

Die Idee

Die Idee von Transition-Town (zu deutsch: „Stadt im Übergang“) ist im Grunde eine Weiterentwicklung des Permakultur-Konzepts. „Permakultur ist das Schaffen von kleinen Paradiesen hier auf der Erde“ – so die kompakte Definition des Australiers Bill Mollison, der zusammen mit David Holmgren als Begründer der Permakultur (von Permanente Agrikultur ) gilt.

Ein umfassender Ansatz also, der bei der Gestaltung des eigenen Lebensraumes alle lokalen Gegebenheiten optimal einbezieht und nachhaltig nutzt. Dabei spielt die Selbstversorgung durch eigenen Nahrungsmittelanbau eine herausragende Rolle. Hierbei werden symbiotische Eigenschaften von Pflanzen und Tieren so gut kombiniert, dass ein hochvernetztes, stabiles und sehr ertragreiches lokales Ökosystem entstehen kann. Also das absolute Gegenteil zu unserer aktuellen industriellen Landwirtschaft, die auf Monokultur, Chemie und einen enormen Energieeinsatz setzt.

Louise Rooney und Rob Hopkins transferierten 2004 die Permakulturidee, die ja bisher eher im ländlichen Raum Anwendung fand, in die Stadt. Bei ihren Überlegungen flossen dabei noch zwei weitere gewichtige Aspekte ein: der Klimawandel und Peak Oil (das Erdölfördermaximum).

Die Nutzung fossiler Energieträger, wie Erdöl, Kohle und Gas hat uns einen nie da gewesenen technologischen Schub beschert und ermöglicht in einigen wenigen Ländern Menschen hohe Lebensstandards. Doch gleichzeitig sind unser globales Wirtschaftssystem und der Verbrauch dieser Rohstoffe, ob nun direkt oder indirekt, für die meisten unserer aktuellen sozialökologischen Probleme die Ursache. Das menschen- und naturfeindliche Finanz- & Wirtschaftssystem, der Klimawandel, der in vielen Gebieten der Welt bereits treffender als „Klimakatastrophe“ bezeichnet werden kann und das zu Ende gehende Erdöl sind deshalb die Hauptthemen überhaupt.

Denn wir sind Abhängig von Öl – ob es nun die Produktion von Nahrungsmitteln und anderen Gütern ist oder der Transport dieser Dinge um die halbe Welt in das heimische Einkaufszentrum, das oftmals auch nur per Auto erreichbar ist – ohne das „schwarze Gold“ stehen bald alle Räder still.

Man muss diese existenzbedrohenden Phänomene Kapitalismus, Klimawandel und Peak Oil zusammen denken. Sicherlich könnte man Erdöl auch künstlich herstellen, sicherlich könnte man CO2 unter die Erde pressen, zum Ausgleich Bäume pflanzen oder versuchen sich an die Klimakatastrophe anzupassen. Ein gesunder Menschenverstand ist allerdings immer hilfreicher als die pure Herumdoktorei an Symptomen.

Mit „Energiewende das Handbuch – Anleitungen für zukunftsfähige Lebensweisen“ hat Rob Hopkins 2008 ein Werk herausgebracht, das eine Sammlung von herausragenden Ideen, Erfahrungen, Herangehensweisen, Beispielen und praktischen Werkzeugen darstellt, um gemeinsam mit seinen Nachbarn einen lokalen Plan-B auf den Weg zu bringen – in der eigenen Kleinstadt, im eignen Stadtteil oder im eigenen Kiez.
Denn die Rückbesinnung auf lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe wird schon in wenigen Jahren eine entscheidende Rolle spielen, da die Schere zwischen Erdölfördermenge und Nachfrage immer weiter auseinander geht und so der Ölpreis rapide ansteigen wird.

Krisenfestigkeit („Resilienz“) mit Kopf, Herz und Hand

Dazu dient ein umfassender und kreativer Prozess mit dem Ziel, das Verständnis für Krisenfestigkeit („Resilienz“) und gemeinschaftliche Selbsttätigkeit zu fördern. Um das zu erreichen, verfolgen die TT-Inis weit gespannte Aktivitäten:

  • Informationen verbreiten über das Ölfördermaximum, den Klimawandel und die Wirtschaftskrise
  • Bewusstsein schaffen für die Notwendigkeit, von der Gemeindeebene ausgehend einen Prozess in Gang zu setzen, um die Reduzierung von Naturverbräuchen und strukturelle Krisenfestigkeit zu erreichen;
  • Vernetzung mit bestehenden Gruppen vor Ort und mit anderen (Transitions-) Initiativen;
  • Bildung von Untergruppen, die sich mit allen wesentlichen Lebensbereichen beschäftigen (Ernährung, Energie, Transport, Gesundheit, Wirtschaft, Bildung)
  • Veröffentlichung eines gemeinschaftlich ausgearbeiteten und zu implementierenden „Energiewende-Aktionsplans“ für die nächsten Jahrzehnte.

Der Prozess verläuft allerdings in jeder ‚Town‘ anders; mehr dazu auf den Transition-Sites, inbes. der Transition Network Seite, auf der unter http://www.transitionnetwork.org/stages viel Anregendes zu finden ist (siehe auch Linktipps unter „Transition Town – ein weltweites Netzwerk“).

Viele Wege führen nach TransitionTown

Dabei ist ein Plan-B eher als eine gemeinsame Zukunftsvision zu verstehen, auf die viele unterschiedliche Akteure aus verschiedenen Richtungen und mit eigenen Ansätzen hinarbeiten. Eine unterstützende Infrastruktur spielt hierbei die wesentliche Rolle, denn umso einfacher und unbürokratischer neue Ideen umgesetzt werden können, umso schneller lassen sich Vortschritte erkennen, die immer mehr Leute motivieren mitzumachen. Weitere Anregungen zu dieser Vorgehensweise finden sich auch hier im PM-blog

In Bremen gibt es verstärkt seit dem Frühjar 2013 Gruppe von Menschen, die sich in ihren Stadtteilen Findorff, Walle, Viertel und Neustadt für eine nachhaltige und resiliente Lebensweise und Kiezkultur stark macht. Resilienz bedeutet dabei so viel wie die Widerstandsfähigkeit einer lokalen Gesellschaft gegenüber externen Störungen, so wie z.B. dem Klimawandel bzw. einem möglichen Versorgungsdefizit ausgelöst durch den Erdölmangel.

Man trifft sich monatlich, lernt die Nachbarn aus dem eigenen Kiez kennen, entwickelt gemeinsam positive Visionen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte, vernetzt sich mit bereits vorhandenen Initiativen, richtet Veranstaltungen aus, startet kleine und große Projekte, isst und feiert zusammen.
So entsteht also ein farbenfrohes Puzzle, zu dem jeder sein Teil beitragen kann. Gemeinschaftlich – wir sitzen alle in einem Boot und darum geht es, denn auch lokale Unternehmen und die lokale Politik sollen miteinbezogen werden – entsteht so ein EnergieWende-AktionsPlan, also ein alternativer Stadtentwicklungsplan „von unten“ bei dem der Klimawandel und das Peak Oil-Problem nie aus den Augen verloren gehen.

Weltweit gibt es bereits über 1000 „offizielle“ Transition Towns, darunter sind auch Initiativen in anderen Großstädten wie z.B. in Bristol oder Los Angeles – in den Startlöchern stehen aber bereits viele weitere Gruppen.
Großstädte können sich nicht komplett selbst versorgen, sie müssen sich mit dem Umland und der Region arrangieren. Es soll ja auch nicht darum gehen sich komplett abzuschotten, sondern darum, erstmal das zu realisieren was lokal und regional möglich ist, um sich bei Bedarf mit überregionalen Partner_innen zusammen zu tun.

Und lokal
geht sehr viel…

Eine andere Landwirtschaft

Durch Gartenwirtschaft überall in der Stadt, Verbreitung des Permakultur-Gedankens, das Pflanzen von Obstbäumen und Nutzpflanzen im Bezirk, enger Vernetzung mit den Landwirten im Brandenburger Umland und der Nutzung Nachwachsender Rohstoffe (NaWaRo) als Werkstoffe um langlebige Produkte daraus herzustellen.

Eine andere Mobilität

Durch gezielten bezirklichen Ausbau von Radwegen, des Öffentlichen Nahverkehrs, von Elektrocar- und Bike-Sharing, eines Solartankstellennetzes, durch den massiven Ausbau der Bahn sowie der Einstellung überflüssiger Verkehrsplanungen und Straßenbauprojekte wie z.B. der A100.

Ökologisches, soziales, ästhetisches Bauen und Wohnen

Nachhaltige und basisdemokratische Stadtplanung, Wärmedämmung für alle Gebäude (auch denkmalgeschützte), Fassadenbegrünung, GemeinschaftsDACHgärten & Spreeufer für alle!

Eine andere Bildung

Bildung ist die Basis einer gesunden Demokratie, direkte Demokratie eine notwendige Ergänzung der Parlamente. Sinnvolle Bildungsinhalte, damit unsere Kinder auch die Fertigkeiten erlernen, die in Zukunft wirklich von Nöten sein werden. Wir sind für eine umfangreiche Erwachsenenbildung und für Learning by Doing-Konzepte.

Alternative Regionale Wirtschaftsformen und anderer Umgang mit Rohstoffen

Durch Regionalgeld und lokale Produktion soll die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit gestärkt werden. CO2 binden anstatt es frei zu setzen, nämlich in Produkten aus Pflanzenmaterial, dabei geht es um die sogenannte Rohstoffwende, also die Umstellung auf lokale Agrarrohstoffe.

Die Energiewende – Aufbruch ins Solarzeitalter

Durch gezielten Ausbau regenerativer Energien in unserem Bezirk. Von Solaranlagen über kleine Windkraftanlagen auf Dächern, Biogas aus Bioabfällen bis hin zu intensiven Energiesparmaßnahmen ist vieles denkbar und machbar.

Quelle: websites der TT Initiativen Bonn im Wandel und TT Berlin. Wir hoffen, bald unsere eigene Form der Darstellung zu finden und danken Euch einstweilen für die griffigen Formulierungen.

 

 

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2 Kommentare zu “Was

  1. Hallo zusammen!

    Ich wollte mal einen kleinen Zwischenstand geben zu dem Radio-Beitrag über „Stadt im Wandel Bremen“: Der Beitrag ist inzwischen fertig. Einen Sendetermin gibt es noch nicht, ich melde mich aber, sobald ich weiß, wann das Stück laufen soll.

    Eine Frage hätte ich noch: Wie weit ist das Thema „Samenboxen“ gediehen? Ich fände es schön, darüber einen Bericht zu machen. Wäre das möglich?

    fragt und grüßt herzlich:
    Kerstin Burlage

    • moin kerstin,
      wir treffen uns am 27.01. u.a. zum weiterbau der samenboxen und sind sehr gespannt, wann dein radio-beitrag läuft.
      infos dazu bitte auch gerne per mail an uns.
      viele grüße,
      rike

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